(aktualisiert am 4. Mai 2020)

ZwischenZeit-Artikel:

R e i s e n –  Editorial

Ein Amerikaner in der „Elektrischen“

Die Felszeichnungen und das Elchmuseum von Glösa

Durch Paris auf den Spuren des „Bauchs“

Mit dem Finger auf der Landkarte

Irland   –  eine Reise auf die grüne Insel

Unterwegs mit der S-Bahn

Gesponserte Ofenschlupfer

Extra 3: Am Bach entlang

Extra 4: An Neuffer


R e i s e n –  Editorial

Ein Amerikaner in der „Elektrischen“: Schwäbisch-amerikanische Verständigungsschwierigkeiten bei einer Fahrscheinkontrolle in der alten Ulmer Straßenbahn  der Nachkriegszeit.

Die Felszeichnungen und das Elchmuseum von Glösa: Ein Reiseerlebnis in Schweden, das den Besuchern  Lebenswelt und Kultur der steinzeitlichen Jäger vor etwa 6000 Jahren bildhaft vor Augen führte.

Durch Paris auf den Spuren des „Bauchs“: Im Buch schildert  2015 der „Bauch“, Starkoch Vincent Klink, seine Spaziergänge und kulinarischen Erlebnisse in den Pariser Restaurants und Cafés.  Von Letzteren konnte das Au-pair-Mädchen damals 1960 nur träumen.

Irland   –  eine Reise auf die grüne Insel: Eine Rundreise im Bus durch Irlands Süden zu historischen Sehenswürdigkeiten und eindrucksvollen Naturlandschaften  mit Berücksichtigung der Whiskey-Herstellung.

Unterwegs mit der S-Bahn: Die S-Bahn vor Ort ist ein unentbehrliches öffentliches Verkehrsmittel im Halbstundentakt und im Normalfall verlässlich. Aber es gibt auch Tage, wie diesen im August 18.

Gesponserte Ofenschlupfer: Reisen ohne Einkehr geht gar nicht. Aber ob die heimische Regionalküche so „originell“, wie es im Spitzensport ja üblich ist, beworben werden sollte, ist fraglich.

Mit dem Finger auf der Landkarte: Diese Art zu reisen ist bei Fernwehattacken sehr zu empfehlen und kann jederzeit wohin auch immer kostenlos und umweltschonend unternommen werden.

Für die ZwischenZeit-Redaktion: Sabine Wenzel


Ein Amerikaner in der „Elektrischen

Es gab einmal eine Zeit, kurz nach dem Krieg, in der sich das „Reisen“ strikt auf lokale Ziele beschränkte. Und die „Reise“ von einem Stadtende zum anderen war trotzdem voll von Eindrücken, Merkwürdigkeiten und Überraschungen. In Ulm rumpelte die Straßenbahn, die „Elektrische“, wie sie die Alt-Ulmer nannten, nach Kriegsende relativ schnell wieder durch die sich ständig ändernde Ruinenkulisse. Ich „reiste“ auf dem „Perron“ des Vehikels, der Einstiegsplattform mit einer Schiebetür, durch die man ins Innere des Wagens mit den Holzsitzbänken gelangte. Zur Möblie- rung der Karre gehörten auch jede Menge Lederschlaufen, die von der Decke baumelten, und die Stehplatzinhaber waren gut beraten, sich daran festzuhalten, denn die Karosserie schaukelte fürchterlich. Nur durch ständige Gewichtsverlagerung blieb man in der Senkrechten, was zu pausenlosem Hüftkreisen führte. Als ich zustieg, stand schon ein junger, amerikanischer Besatzungssoldat auf dem Perron, der auch keine Lust hatte, sich am Zwangsbauchtanz, da drinnen, zu beteiligen. Die amerikanischen Soldaten konnten die Straßenbahn kostenlos benützen, mussten aber trotzdem im Besitz eines weißen Fahrscheins sein – warum auch immer.  Dennoch waren Amis in der Straßenbahn eher selten anzutreffen, denn sie hatten ihren eigenen Busshuttle zu den teilweise weit außerhalb liegenden Kasernen. Nun gut, mein Umsteigefahrschein war kostenpflichtig und grün.
Nach zwei Haltstellen wurde die Schiebetür vom Innenraum her aufgeknallt, ein Kon-trolleur erschien auf der Schwelle, gab ein paar Takte seines Raucherhustens zum Besten und dröhnte: „Fahrscheikontroll!“
Der Respekt wäre dem Nahverkehrsfeldwebel auch bei einem weniger lautstarken Auftritt sicher gewesen, denn seine Dienstmütze, die graue Uniform mit Breeches-hose und die kniehohen Schaftstiefel verliehen ihm eine damals noch „natürliche“ Autorität.

Die Verständigungsprobleme der Fahrscheinkontrolleure löste man in Ulm im Verlauf von Jahrzehnten dadurch, indem man die Straßenbahn und die Amis aus dem Verkehr zog.

Artig zeigte ich meinen grünen Zettel vor, den der Schwarzfahrerjäger wie eine Kino-karte per Einreißen entwertete. Dann wandte er sich dem an der Wand lehnenden „GI“ zu: „Ihran Fahrschei, bitte!“ Offensichtlich war aber der Ami noch nicht vom Reiseleiter, „Schaffner“ genannt, bedient worden, hatte deshalb keinen weißen Zettel vorzuweisen und er war wohl auch mit der Zettelwirtschaft in der Elektrischen noch nicht so recht vertraut. Indessen beäugte er den Gestiefelten interessiert von Kopf bis Fuß. Er hielt ihn wohl für das Musterexemplar einer besonders schneidigen Gattung der merkwürdigen deutschen Trachtenszene. – No Gamsbart?
„Ihran Fahrschei!“, blökte der vermeintliche Brauchtumspfleger hartnäckig. Der Ami fischte eine Zigarettenpackung aus seiner Jackentasche und bot dem einsilbigen Folkloreapostel, freundlich lächelnd, einen Glimmstängel an.
„Noiiii!“, lehnte der die Korruptionsattacke grantig ab, „Sia miaßet doch an Fahrschei han – an Faaahrscheeei!“
Dann eben nicht! Gelassen steckte sich der Soldat selbst eine Zigarette ins Gesicht, murmelte mit fragendem Blick den Folklorevereinsschlachtruf „Faschei?“ und stieg an der soeben erreichten Haltestelle aus.
„Dia sodded halt au a baar Brogga Deitsch lerna, bevor ma se auf oin los lässt“, beklagte sich der Stiefelträger, verließ ebenfalls den Zugwagen und kletterte in den Anhänger um auch dort seines verdrussgesegneten Amtes zu walten. Ich schaute ihm nach – und dann war es leider für mich zu spät, auch in den Anhänger umzu- steigen, denn ich hatte mit Entzücken festgestellt, dass dort schon wieder ein Ami auf dem Perron wartete. Aber die Straßenbahn war bereits voll in Fahrt. Zu gern hätte ich erlebt, wie das frustriert dreinblickende Dialektoriginal seinen neuerlichen Weißzettel- kandidaten bearbeitet. Den dann fälligen, neuen, grünen Fahrschein hätte ich für die Fortsetzung der Vergnügungsreise auf  jeden Fall gern investiert.

Bild u. Text: Gunter R. Schwäble


Die Felszeichnungen und das Elchmuseum von Glösa

Ein Ausschnitt aus unseren Reiseerlebnissen in Schweden.

Im nördlichen Schweden, das heißt im Süden Lapplands in der Nähe von Östersund, der Hauptstadt des Jämtlandes, liegt die typisch schwedische Ortschaft Glösa am Ufer eines malerischen Sees. Im Nordwesten des Ortes beginnt ein Pfad, der uns zum Elchmuseum Glöshalle und den etwa 6000 Jahre alten Felszeichnungen von Glösa führt. Über eine feuchte Wiese gelangen wir zum Platz des Elchclans, auf dem ein scheunenartiges Bauwerk steht. Schon aus einiger Entfernung vernehmen wir eine archaisch anmutende Musik, deren Rhythmus von Zeit zu Zeit von unartikulierten Schreien, etwa dem lockenden Ruf der Elchkuh oder dem Blöken des Elchkalbes unterbrochen wird. Vor dem Gebäude steht ein spitzwinkliges Stangengerüst, von einem getrockneten Elchschädel mit großen Schaufeln gekrönt. An den Stangen hängen viele Elchläufe, die, wie wir später erfahren, den Elch nach seiner Auferstehung auf der Suche nach seinen Läufen an den Ort des Elchclans zurückführen sollten.
In der Eingangstüre zur Glöshalle begrüßt uns der Museumsleiter, ein älterer Herr, der auch etwas Deutsch spricht. Er führt uns durch die Ausstellung, erläutert die Exponate und erzählt von der Bedeutung der Elche für die Steinzeitjäger.
Vor etwa 9000 Jahren schmolz das Eis in Jämtland und machte für Flechten und Moose Platz. Später wuchsen Gräser und Zwergbirken, gewöhnliche Birken, Espen und Kiefern. Nun konnte sich auch die Fauna ausbreiten. Es kamen kleine Nager, dann Hasen, Biber, Birkhühner, Schneehühner und Auerwild, aber auch vor allem Elche. In Flüssen und Seen verbreiteten sich Schnecken, Muscheln, Frösche und Fische. Auch für den Menschen gab es nun zu essen.
Man weiß, dass die ersten Steinzeitmenschen vor etwa 8600 Jahren nach Jämtland kamen. Familien mit Mutter, Vater, zwei bis drei Kindern und einige ältere Verwandte siedelten in einer Seebucht oder an einem Flusslauf. Sie ernährten sich von Fischen, gesammelten Beeren, Kleinwild und vor allem von Elchen. Die vielen Elchknochen, die an den Niederlassungen der Jäger gefunden wurden, weisen darauf hin. Die Elche gaben den Menschen außer Fleisch, das zu Pemmikan (Trockenfleisch) verarbeitete wurde, auch Leder für: Kleidung,
Schuhwerk, Hütten, Taschen, Rucksäcke, Riemen, Schlafmatten und Kanus.
Felle: für Kleidung, Teppiche, Schuhe, Decken. Horn für: Äxte, Hacken und Schmuck. Knochen für: Lederkratzer, Schaber, Keile, Speer- und Pfeilspitzen, kleine Werkzeuge, Angelhaken, Nähnadeln, Musikinstrumente und Schmuck.
Die Familien wohnten nahe beieinander. Man half sich bei der Jagd und sonstigen Verrichtungen. Jedes Jahr trafen sich mehrere Familiengruppen zu größeren Versammlungen. Sie tauschten Waren und Neuigkeiten. Hier suchten Männer ihre Frauen und umgekehrt. Bei diesen Treffen verehrten die Menschen geistige Wesen. An dem Platz, wo man die 45 Elche der Felszeichnungen von Glösa auch heute noch sehen kann, lag wahrscheinlich  auch so ein Versammlungsort.

Rätsche aus Elchknochen

Das Elchmuseum verfügt über verschiedene archäologische Funde, aber auch über Rekonstruktionen von Werkzeugen und Musikinstrumenten, wie z.B.
Trompeten aus Elchknochen, Rasseln aus Elchhufen, Ratschen aus dem gekerbten Schulterblatt des Elches, Flöten aus hohlen Elchknochen und Brummtöpfe aus Birkenholz mit Elchriemen. Die Musik, die wir hörten, als wir uns der Glöshalle näherten, wurde von Interessierten in Zusammenarbeit mit
Forschern und Studenten für solche Instrumente komponiert, gespielt und  aufgenommen.
Die Glöshalle mit ihrer Musik, ihren Gerüchen nach Leder, Talg, Fisch, Rauch und Harz mit ihren interessanten Ausstellungsstücken vermittelt auf meisterhafte Art tiefe Eindrücke vom Leben und der Vorstellungswelt der Steinzeitjäger. An der Decke über allem schwebt der Schamane, der den Menschen durch Gesänge, Trommelschlag und Gebete half, wenn Hunger, Dunkelheit, Kälte und Krankheiten das Leben schwer machten.
Die vielen Orte mit Felsbildern beweisen, dass die Elchjäger im ganzen Norrland (Nordschweden) siedelten. Ihre Heimstätten lagen vor allem an kleineren Seen und Flussläufen an windgeschützten Stellen.
Der Besuch bei den Felszeichnungen und im Elchmuseum von Glösa war für uns sehr lehrreich und führte uns bildhaft vor Augen, wie erfinderisch der Mensch schon in der Steinzeit war und wie es ihm gelungen ist, mit einfachsten Mitteln, der recht lebensfeindlichen Natur Nordschwedens zu trotzen.

Text: Walter Graef


Durch Paris auf den Spuren des „Bauchs“.

Starkoch versus (ehemaliges) Au-pair-Mädchen

In seinem Buch „Ein Bauch spaziert durch Paris“ (Rowohlt, 2015) schreibt Vincent Klink – Inhaber eines Michelin-Sterns in seinem Restaurant „Wielandshöhe“ – über seine vielen Reisen nach und zahlreichen Spaziergänge durch Paris, die er mal allein, mal mit Frau, Tochter und Sohn absolviert. Wobei der Ausdruck Spazier“gänge“ nur teilweise stimmt, denn er hat sich ein faltbares Elektrofahrrad zugelegt und hat anscheinend bis jetzt den Pariser Verkehr unbeschadet überlebt.
Ja, ja, Paris zu Fuß, das kenne ich auch. Bald nach meiner Ankunft im Jahr 1960 nahm
ich mir anhand des Stadtplans Stück um Stück der Innenstadt vor („meine“ Familie
wohnte zum Glück sehr zentral, im 7. Arrondissement), wenn möglich zu Fuß; an
Fahrräder dachte damals kein Mensch, bei dem mörderischen Autoverkehr –
Stoßstange an Stoßstange – wäre das auch lebensgefährlich gewesen. Und heute?
Kann ich nicht beurteilen.
Natürlich gilt sein Hauptinteresse der Kulinarik, doch haben es ihm auch die Sichtachsen, die Napoleon III. und dem Baron Haussmann zu  verdanken sind, und die schönen Plätze angetan, die Passagen, Parks und Friedhöfe. An der Place Vendôme, einem der schönsten Plätze, begeistert ihn das Hotel „Ritz“ und dessen glamouröse Vergangenheit. Gegründet 1898 durch César Ritz, einen Schweizer Bauernbuben, verkehrte dort die intellektuelle Elite des späten 19. und des 20. Jahrhunderts, von Proust über Coco Chanel bis Hemingway. Klink erinnert sich mit Wonne an ein denkwürdiges Heilig-Abend-Essen, das er dort mit Frau und Kind „abgefeiert“ hat. In den Squares (kleine Grünanlagen mit Kinderspielplatz, verteilt über die ganze Stadt) lässt er sich ermüdet nieder und pflegt seine wundgelaufenen Füße (das war noch vor dem Elektrofahrrad!).
Die Boulevards mit ihren Renommierbauten (Oper, Kaufhäuser, Cafés, Nobel-
Restaurants, edle Geschäfte) entlang zu schlendern, machte mir großen Spaß und
hatte eine große Wirkung auf mich „Landpomeranze“. Von den Plätzen liebte auch
ich am meisten die Place Vendôme mit der Säule  Napoleons des I., den Juwelier-
geschäften und dem  Hotel „Ritz“, das ich, anders als Klink, nur von außen betrachten
durfte; ferner die Place de la Concorde mit dem Obelisken aus Luxor, möglichst an
einem Sonntagmorgen mit wenig Verkehr, oder die Place du Trocadéro mit dem über-
raschenden Blick auf den Eiffelturm…
Beispielhaft für die ihn am meisten beeindruckenden Gebäude seien genannt: der Eiffelturm, die Kirchen Notre-Dame (noch intakt!) und St. Julien-le-Pauvre, ebenso die geschlossenen Ensembles des Marais-Viertels, das Palais Royal mit seinem schönen Garten, die Arkaden der  Rue de Rivoli … Jede Aufzählung muss lückenhaft bleiben.
Da kann ich ihm nur zustimmen, ich habe viele erwandert und besucht. Natürlich
beäugt er die berühmten Cafés und Restaurants und muss sie alle ausprobieren.
Davon konnte ein Au-pair-Mädchen nicht mal träumen! An Ausgehen war mangels
Geld nicht zu denken, außerdem hatte ich ja „Vollpension“. Deshalb blamierte ich
mich (und einen begleitenden Bekannten) auch einmal mit einer ungewöhnlichen
Speisenkombination, worauf die Servierdame freundlich, aber auch ein wenig herab-
lassend sagte: „Mademoiselle  n‘est peut-être pas francaise“. Recht hatte sie!
Vincent Klink hat natürlich nicht nur aus „gourmandise“, sondern auch aus professionellem Interesse bei seinen Kollegen von der Sterne-Küche gegessen (und lobt die meisten). So auch im „Epicure“, dem Restaurant des Hotels „Bristol“. Dabei ist ihm etwas Kurioses widerfahren, d.h. im dazugehörigen Hotel. Was hört er da am Empfangstresen? Schwäbische Laute! Zwei Landsleute –  noch dazu aus Schwäbisch Gmünd! – arbeiten an der Rezeption und begrüßen ihn, wie es sich gehört.
Den Brasserien und Bistrots gegenüber ist er eher kritisch; aber die haben eben gegen die sich auch in Paris – der „Hauptstadt“ des guten Essens – ausbreitenden Fast-Food-Ketten zu kämpfen und entsprechende Schwierigkeiten, preislich – bei guter Qualität – dagegen zu halten.

Text: Toni Sauer



Mit dem Finger auf der Landkarte

Mit dem Finger auf der Landkarte zu verreisen, ist ein echter Hit. Nichts leichter als das.
Wenn Dich also wieder mal das Fernweh packt oder Du weder Zeit noch Geld hast, für eine Weltreise. gelingt eine Entdeckungstour zu den schönsten Plätzen der Welt, unabhängig von Wind und Wetter. Auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, wenn man gerade nicht verreisen kann!
Diese Reise kostet keinen Cent und keinen Mut, aber sehr viel Phantasie. Man kann die tollsten Abenteuer erleben, fremde Städte kennen lernen, in die Geschichte eintauchen, sich verzaubern lassen, von vielerlei Gerüchen und Düften und kann sekundenschnell von einem Kontinent zum anderen hüpfen.
Bist Du im heißen Afrika, plagen Dich keine Mücken, keine Hitze und kein Durst. Bist Du gerade am Nordpol gelandet, musst Du Dich warm einpacken.
Bitte Platz nehmen, zurücklehnen, verzaubern lassen und genießen.
Du kannst steile Berge besteigen, ohne Anstrengung, ohne Atemnot die Aussicht genießen, durch wilde Felsklüfte klettern, am klaren Bergbach eine Rast einlegen. Oder mit dem Paddelboot wunderbare Seenlandschaften durchqueren.
New York von oben ansehen, barocke Paläste besuchen, in malerische Naturparks eindringen, auf der chinesischen Mauer entlang spazieren, riesige Regenwälder bestaunen oder an exotischen weißen Traumstränden in der Sonne liegen. Unter Dir liegen staubige Savannen, imposante Wasserfälle, aber auch Sandwüsten soweit das Auge reicht.
Du fliegst über die Meere, schaust gebannt auf die Wolkentürme, Nebelschwaden ziehen vorbei. Die Sonne geht auf. Sterne blinken auf über den Flügeln Deiner Phantasie. So schwebst Du über die Kontinente, verzaubert und tief beeindruckt von der Schönheit unserer Erde.
Dein Schiff fährt auf dem Nil,  Du tauchst ein in die Geschichte der alten Ägypter, verwoben mit heutigem Glanz und Elend. Auch politische Weltkarten zeigen das Dilemma dieser Welt an. Im Laufe der Jahrtausende hat sich die Landkarte ganz schön verändert! Wie das in hundert Jahren aussehen wird, weiß noch niemand so ganz genau.
In Zeiten des Internet kann man sich die ganze Welt ins Haus holen. Jeden Fluss von der Quelle bis zur Mündung verfolgen. Man kann sich in aller Ruhe die ganzen Glanzlichter des Tourismus einverleiben. Willst Du Wellen reiten auf Hawaii oder doch lieber auf dem Pilgerweg laufen? Kein Berg ist zu hoch, kein Weg zu weit. Alles ist möglich, die Auswahl grenzenlos.
An manchen Stellen verweilt die Fingerkuppe dann etwas länger, wenn sie einen Punkt berührt hat, an dem persönliche reale Erinnerungen aus der Vergangenheit auftauchen.
Und außerdem: Kein Klimaschützer dieser Welt kann Dir einen Vorwurf machen; Du besteigst kein Flugzeug, kein Luxusschiff! Du kannst niemanden anstecken. Du verpestet nicht die Luft, das Auto bleibt in der Garage.

Collage und Text: Gudrun Roßmann


Am Bach entlang

Auf meinem Weg in die Innenstadt sah ich am 16. März in der Lindach zwei große, weißbauchige Vögel mit schwarzem Kopf auf blanken Kieselsteinen sitzen. Als ich eine knappe Stunde später wieder an der gleichen Stelle vorbei kam, saßen sie dort noch immer. Nach einigen Minuten aber paddelten sie in Richtung Lauter davon.  Zuhause schaute ich in meiner alten Enzyklopädie „Die Vögel der Welt“ nach und wurde fündig. Es waren Männchen des Gänsesägers  (Mergus mergander)  und zwar im Brutkleid. Die Weibchen sehen mit rostbraunem Schopf und grauem Rumpf ganz anders aus. Beide haben einen roten Hakenschnabel und ernähren sich von kleinen Fischen. (Dass ich vor einem Jahr schon eine Gruppe Gänsesäger-Weibchen, mindestens sechs an der Zahl, in der Nähe gesehen hatte, erkannte ich jetzt erst auf der Abbildung des Vogelpaares.) In den nächsten Tagen sah ich von der Brücke her auf der kleinen Landzunge am Zusammenfluss von Lindach und Lauter Gänsesäger, gepaart oder einzeln, ruhen oder drum herum schwimmen. Nach  zwei Wochen waren die Durchzügler fort; sicher auf dem Weg nach Norden in ihre angestammten Brutgebiete.

Männchen (links) und Weibchen (rechts) des Gänsesägers.

Jetzt haben die wesentlich kleineren Stockenten ihr – leider kahl geschlagenes – Revier wieder für sich. Und auch die kleinen Sänger rücken mehr und mehr ins Blickfeld. Neulich hörte ich mitten auf der Lauterbrücke erst auf der linken, dann auf der rechten Seite Vögel singen. Auf gleicher Höhe im Ufergebüsch, in etwa acht Metern Abstand, saßen sich zwei Rotkehlchen direkt gegenüber und sangen „lauthals“, wunderschön. Welch ein Glücksmoment (!) für einen einsamen Spaziergänger wie mich. Immer unterwegs an Lindach, Lauter, Weppach… Allein auch, weil in dieser Corona-Krisenzeit  eine Gruppen-Bildung zwecks  Wandern oder Radeln untersagt ist.  Immerhin dürfen wir Älteren, jetzt noch „unmaskiert“, an die frische Luft gehen! Also: gehen wir…

 

Foto u. Text: Sabine Wenzel


An Neuffer

Im März 1794

Noch kehrt in mich der süße Frühling wieder,
Noch altert nicht mein kindischfröhlich Herz,
Noch rinnt vom Auge mir der Tau der Liebe nieder,
Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz.
Noch tröstet mich mit süßer Augenweide
Der blaue Himmel und die grüne Flur,
Mir reicht die Göttliche den Taumelkelch der Freude,
Die jugendliche freundliche Natur.
Getrost! es ist der Schmerzen wert, dies Leben,
So lang uns Armen Gottes Sonne scheint,
Und Bilder bessrer Zeit um unsre Seele schweben,
Und ach! mit uns ein freundlich Auge weint.

Friedrich Hölderlin