ZwischenZeit-Artikel

(aktualisiert am 12. November 2023)

Altern beginnt im Kopf

Die Wissenschaft beweist, geistiges und körperliches Training kann den Alterungsprozess deutlich verlangsamen.
Außer bei Schach, Lesen, Sudoku etc. findet geistiges Training vor allem auch beim Schreiben statt. Schreiben bringt das kreative Denken in Schwung! Und natürlich hat Schreiben einen ganz besonderen Reiz, wenn das Ergebnis sogar in der Zeitung veröffentlicht wird. Das ist der Fall beim Redaktionsteam „ZwischenZeit“ im BürgerTreff  e.V., Engagierte Bürger, Kirchheim, Alleenstraße 96.
Man trifft sich dort achtmal im Jahr, beschließt ein Thema und dann schreibt jede/jeder, was ihr/ihm dazu einfällt. Auf jährlich acht Sonderseiten in „Der Teckbote“ werden die Beiträge honorarfrei veröffentlicht, d.h. je Autor/in einmal im Jahr.
Somit wird das Schreiben, das mentale Training in fröhlicher Autorenrunde zum total stressfreien Hobby. Schreibfreudige sind herzlich eingeladen. Übrigens – von den früher oder derzeit aktiven Schreiber/innen war niemand ehemals Profi in dieser Disziplin. Wir treffen uns im BürgerTreff, Alleenstraße 96. Wenn Sie Interesse haben, an einer Sitzung teilzunehmen, wenden Sie sich bitte an Frau S. Wenzel, Leiterin der Gruppe [Tel. (0 70 21) 4 73 87].  Also, schauen Sie zu den nächsten Sitzungsterminen doch einfach mal rein.

Gunter R. Schwäble


 

Editorial – Farben

Das Gelb der Post

Sind schwarz und weiß auch Farben? Und was ist bunt?

Reise ins Land der Maler

Farbspektrum der im Bundestag vertretenen Parteien

Die Farbe Blau – oder Färberwaid macht blau

Extra: Regenbogen über den Hügeln

Extra: Spätherbst


Farben. Editorial

Das Gelb der Post

Diese fiktive Geschichte schildert wie Kaiser Maximilian I. anno 1490 in Innsbruck den Gebrüdern Taxis befahl, für eine stetige und raschere Zustellung der Regierungspostsachen zu sorgen. In den Farben des Kaisers Schwarz und Gelb ausgestattet, waren dann Reiter und Postkutschen ständig hin und her pendelnd unterwegs. Die Farbe Gelb blieb der Post bis heute; nur ihre Transport-Fahrzeuge haben sich geändert.

Sind schwarz und weiß auch Farben? Und was ist bunt?

Vorkommen und Wirkung der „unbunten Farben“ schwarz und weiß, hier verdeutlicht am Beispiel der fernöstlichen Tuschemalerei und der Kunst des Scherenschnitts. Bunt dagegen sind vor allem die Farben in der Natur wie auch in der Ausstellung „Rosenrot – Grasgrün – Quittengelb“ (in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall) zu bewundern.

Reise ins Land der Maler

Aus dem Bericht einer längst vergangenen Reise von Zürich nach Nizza spricht noch immer die Begeisterung über die Leuchtkraft der Farben in den Werken von Mark Chagall, Henri Matisse, Pablo Picasso und Auguste Renoir. So erlebt in Kirchen, Museen und Lebensräumen in der südfranzösischen Landschaft.

Farbspektrum der im Bundestag vertretenen Parteien

Hintergründe und geschichtliche Entwicklungen der die sechs Parteien kennzeichnenden Farben Schwarz, Rot, (Gold)Gelb, Magenta, Grün und Blau werden genannt, ohne Ansehen ihrer politischen Ausrichtungen.

Die Farbe Blau – oder Färberwaid macht blau

Seit jeher schon und ab dem Mittelalter zunehmend wurde in Europa die gelbblühende Färberwaid-Pflanze zum Blaufärben von Stoffen angebaut. Im 16. Jahrhundert brachten die Holländer aus ihren ostindischen Kolonien das Indigo, einen tiefblauen bis blauvioletten Farbstoff ins Land.  Ab 1737 wurde Indigo in der deutschen Textilindustrie verwendet bis es nach 1897 von der BASF in Ludwigshafen synthetisch hergestellt werden konnte.

Für die ZwischenZeit-Redaktion: Sabine Wenzel


Das Gelb der Post

Wer glaubt, die Farbe der Post ist Gelb, weil das Postwesen eine chinesische Erfindung sei, ist auf dem Holzweg. Es war kein Geringerer als Kaiser Maximilian I., der zu der – inzwischen verloren gegangenen – Erkenntnis kam, dass ein gut funktionierendes Staatswesen einer gut funktionierenden Kommunikation bedarf. Täglich ärgerten sich ihre Majestät in dero Residenz zu Innsbruck grün und blau, weil die Zettelwirtschaft mit seinem habsburgischen Statthalter in Brüssel zwar die Bürokratie blühen ließ, dies aber mit einem höchst wirkungsvollen Blockiereffekt, was seine politischen Ziele anbetraf. Diese Tradition hat sich bis in unsere Zeit gerettet.
Ujujuijui, sprach verzweifelt der Leibmedicus des Kaisers eines Tages im Jahr 1490 und kramte nach einem Blutegel, was haben wieder für einen Puls, hm! Wohl wieder der Mummenschanz in Brüssel? Genau, knurrten Majestät sauer, aber glaub‘ er mir, das wird sich dramatisch ändern! Wir beauftragen jetzt die organisatorisch hochbegabten Brüder Janetto und Francesco de Tassis (später Taxis) einen kaiserlichen Kurierdienst zu organisieren. Dieselben hatten auch sofort eine Blitzidee: Sie steckten einen geübten Reiter in ein Wams mit den kaiserlichen Farben Schwarz und Gelb, hängten ihm eine regendichte Tasche um, stopften des Kaisers Dekrete hinein, Siegel drauf – Daten-schutz fertig. Dann stülpten sie ihm noch einen Zylinder über die Ohren, hoben den Burschen aufs Pferd – und ab die Post! Organisiert wurde für den Reitersmann auch Musikunterricht, denn er sollte bei seiner Ankunft nicht krähen, sondern diese mit dem Posthorn vorschriftsmäßig verkünden, damit er nicht überall Feueralarm auslöse.
Nach 14 Tagen war der Bote mit einer Tasche voll Ausreden des Statthalters wieder zurück und meldete, der Herr Statthalter hätte gern persönlich vorgesprochen, es plage ihn aber das Zipperlein. Den Herrn Statthalter werden wir gar wundersam kurieren, tobte Maximilian. Dem Weichei schicken wir eine Kutsche! Man lasse unsere Reise-karosse sofort in Schwarz umpinseln und richte einen Pendeldienst für Personen und Schreibkram ein.
Aber, nein, liebster Max, welch ein Mumpitz, doch nicht Schwarz, flötete Bianca, seine praktisch veranlagte Gemahlin aus ihrer Kemenate, nehmt doch Gelb, Max, nehmt Gelb. Bedenkt doch, wie staubig die Wege sind. Und Staubwischen kostet Zeit und Taler! Hört Ihr, Maxl, – Gelb! Der Kaiser, wieder mit Puls 110: „Jajajaaa – dann eben Gelb“.

Und wieder trägt der Postbote die kaiserlichen Farben Gelb und Schwarz, fährt aber Rad, weshalb er keinen Leibarzt benötigt

Die Idee wurde ein Renner. Um 1500 bewältigte die Postkutsche die Strecke Innsbruck – Brüssel (876 km) in fünfeinhalb Tagen. Ein Problem gab es dann mit teilweise roten Briefkästen, aber nicht lange. Die Farbe Rot war nämlich von der Feuerwehr besetzt und man wollte im Hinblick auf die Geschwindigkeit wohl keine falschen Hoffnungen wecken. Heute präsentiert sich die gelbe Post durchgehend in Gelb und Schwarz.
Bald breitete sich das Geschäft mit den gelben Kutschen im ganzen Reich aus, bis dann – 1835 – der „Adler“, die erste Eisenbahn, zwischen Nürnberg und Fürth hin und her schnaufte. Aber nicht in Gelb! Bis heute haben deutsche Schienenfahrzeuge keine einheitliche Farbe. Aber das entspricht dem Wesen der Bahn, sich nicht soooo genau festzulegen. Noch hat sich bis heute kein chinesischer Tourist darüber beschwert.

 

Bild u. Text: Gunter R. Schwäble


Sind Schwarz und Weiß auch Farben? Und was ist bunt?

Laut einem Kunstlexikon[1] sind schwarz und weiß „unbunte Farben“. Was verbindet man damit?
Schwarz ist die Amtstracht von Richtern und Pfarrern; bei Beerdigungen ist schwarze Kleidung noch die Regel, aber sie dominiert auch im Straßenbild, vor allem bei jungen Menschen. Die Dame trug in Gesellschaft das „kleine Schwarze“. Weiß hat mit Medizin und Hygiene zu tun, Köche haben eine blütenweiße (?) Jacke an, der Service ist meist schwarz gekleidet. Satan ist schwarz – die Engel sind weiß; der Schornsteinfeger will den Ruß nicht zu auffällig machen und zieht deshalb gleich die schwarze Uniform an – bei Schneewittchen sagt der Name alles. Die klassische Kleidung des Bräutigams ist der schwarze Anzug oder der Frack, die der Braut das weiße Brautkleid. (Anmerkung: ändert sich gerade!). Es gibt den „Schwarzen Freitag“ 1929 (Börsenkrach in USA) und den „Schwarzen Donnerstag“ 2010 in Stuttgart (Polizeieinsatz bei Demonstrationen gegen Stuttgart 21); angenehmer für manche ist der Whisky „Black and White“. Die Kohle, mit der wir im Winter heiz(t)en ist schwarz, ebenso Amseln und Rabenvögel (Krähen, Dohlen), nur die Elstern tanzen aus der Reihe und haben sich noch etwas Weiß zugelegt. Allerdings kennt man auch den „weißen Raben“ als Sinnbild für etwas sehr Außergewöhnliches (und das „schwarze Schaf“ als etwas eher Peinliches!). Dank Goethe wissen wir um einen schwarzen Pudel (mit Kern!), doch gibt es diese niedlichen Tierchen auch in Weiß, genauso wie z. B.  Spitze. Büsche und Bäume erfreuen uns im Frühling mit ihrer weißen Blütenpracht. Wer alte Fotoalben hat, amüsiert sich beim Durchblättern über die Schwarz-weiß-Aufnahmen („ach, waren wir damals noch jung“) …die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Eine kuriose Nachricht am Rande: Insekten sehen rote Geranien als schwarze Pflanzen und fliegen sie deshalb nicht an (Stuttgarter Zeitung vom 25. 03. 2023).
Die erste Frage, die im Titel dieses Beitrags steht, stellte sich mir bei zwei Ausstellungen im BürgerTreff, nämlich einer Scherenschnitt-Ausstellung und einer Ausstellung japanischer Tuschmalerei. Beide Ausstellungen verzichteten auf jede bunte Farbe, und doch konnte man als Betrachter Pflanzen, Blumen, Bäume, Berge, Wasserfälle erkennen… und vermisste eigentlich keine Farben. Das führt direkt zu der fernöstlichen Sicht von Malerei. „Ihr Ziel ist nicht eine wirklichkeitsgetreue Abbildung der realen Welt, sondern die Wahrnehmung des Malers und wie er sie ausdrückt. Die Tuschemalerei will das Wesentliche eines Gegenstandes, Menschen, Tieres oder einer Landschaft in verdichteter Form zusammen mit den seelischen Vorgängen im Maler darstellen. (…) In der von Zen beeinflussten Tuschemalerei wird nur die schwarze Tusche verwendet. Nach fernöstlicher Auffassung ist Tusche aber nicht einfach schwarz, sondern sie enthält alle Farben. (…) Die Tonabstufungen der schwarzen Tusche stellen – nicht wie in Europa – die verschiedenen Helligkeitswerte dar, sondern die Wahrnehmung der Farbe durch Kontrast zur weißen Fläche: sie lassen das Bild farbig wirken! (…) „Der Weiße Raum ist ein elementarer Bestandteil der Tuschemalerei. (…) Die weiße Fläche im Bild ist nicht einfach ausgespartes Papier, sondern wesentlicher Bestandteil des Bildes.“[2] Scherenschnitte sind eine besonders delikate Kunst, das wurde in der erwähnten Ausstellung sinnfällig. Aus dem (meist) schwarzen Papier werden filigrane Figuren ausgeschnitten und aufgeklebt; trotz der schwarzen Farbe erkennt das Auge den Gegenstand oder die Pflanze in ihrer ganzen Farbigkeit.
Was ist bunt?
Wenn wir „bunt“ sagen, sehen wir vor unserem geistigen Auge, oder bei einem Spaziergang oder in einer Kunstausstellung, Farben. Sie können gedämpft sein oder leuchtend, als warm oder kalt empfunden werden. Warme Farben sind gelb, orange, rot, pink, violett, kalte Farben sind grün, blau, türkis. Im Regenbogen haben wir alle Farben vereint, wahrscheinlich wurde er deshalb zum Peace-Zeichen erkoren sowie zum Symbol für Toleranz und sexuelle Freiheit. Die diesjährige Mode schreit uns aus allen Schaufenstern mit einer solchen Farben“pracht“ an, dass einem die Augen übergehen. Da ist die Natur freundlicher, in ihr sind alle Farben in verschwenderischer Fülle vorhanden. Angefangen vom Weiß der Schneeglöckchen, geht es weiter mit gelb und blau: Winterlinge, Löwenzahn, Traubenhyazinthen („Baurabübla“), Schlüsselblumen, Forsythien, Veilchen; dann rosa Apfelblüten, Zierkirschen; rote Zierquitten, Pfingstrosen, Malven, Rosen aller Varianten von Rot bis sogar Schwarz(!), Dahlien – kurz das ganze Spektrum aller verfügbaren Farben (und dies kann nur eine winzige Aufzählung sein). Bis dann im Winter die weiße Schneedecke alles verschwinden lässt.
Ein Tipp: Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zeigt bis 5. November die Ausstellung „Rosenrot – Grasgrün – Quittengelb“ (wie passend!).
Zum Schluss noch was zum Schmunzeln – ein alter DDR-Witz.
Was ist bunt? Bunt ist, wenn ein brauner Nazi mit „weißer“ Weste vom roten Osten schwarz über die grüne Grenze geht und im goldenen Westen sein blaues Wunder erlebt!

Text: Toni Sauer
Bilder: Brigitte Springmann (Scherenschnitt)
Brigitte Najm (Tulpen)                           

Quellen:  [1]Pawlik/Straßner: Bildende Kunst. Begriffe und Reallexikon. Köln 1969
[2]Sumi-e, Naomi: Okamoto. Edition Fischer 2013


Reise in das Land der Maler

Der erste Höhepunkt unserer Reise, ist der Besuch des Frauenmünsters in Zürich. Hier hat Marc Chagall im Jahre 1969 seine weltberühmten Chorfenster geschaffen. Jedes der fünf Fenster, schmal und hoch, in einer eigenen Farbe gestaltet, ergeben einen faszinierenden Eindruck von seiner Genialität. Ursprünglich wollte Chagall auch noch den ganzen Kirchenraum mit einem Lebensbaum ausmalen, so dass noch deutlicher werden würde, dass alle fünf Fensterbilder einen gemeinsamen Ursprung haben.
Aber es sind nicht nur alle die Gleichnisse, die wir ja auch in der Bibel nachlesen können, sondern es ist die Art, in der Chagall uns mit seinen fantastischen Bildern das Alte Testament in Formen und Farben nahebringt. Fabelhafte Gestalten, Vögel, Fische, Schafe und sonst noch allerlei Getier bevölkern Himmel und Erde.
Nicht zu vergessen, das wunderbare Rosettenfenster, das Chagall vorwiegend in blau und weiß gehalten hat und das den Raum in ein sanftes Licht taucht. Und so stehen wir reich beschenkt und losgelöst aus unserem Alltag vor diesen herrlichen Glasmalereien.
Am Nachmittag Besuch des „Musée Message Biblique Marc Chagall“, das 1973 in Nizza eingeweiht wurde. Der Museumsbau, sehr schlicht und flach gehalten, fügt sich sehr gut in den parkähnlich Garten ein. Das große Mosaikbild, das sich in einem Wasserbecken spiegelt, zeigt Sternen Bilder in wunderbaren Symbolen, in deren Mitte die Entrückung des Elias dargestellt wird, der auf rasenden Rossen zum Himmel gezogen wird.
Siebzehn große Ölbilder, alle in schlichten Holzrahmen, gibt es zu bewundern.
Sie gehören zu dem großen Bilderzyklus „die Botschaft der Bibel“, beginnend mit der Schöpfung.
Chagalls Bilder sind alle in sehr starken Farben gemalt, wobei leuchtendes Rot in verschiedenen Schattierungen, kühles blau und chromoxydgrüne Töne vorherrschen.
Ein Farbenspiel nie gesehenen Ausmaßes breitet sich vor unseren Augen aus. Dazu sind noch in jeder Figur Symbolgestalten verborgen, so dass man gar nicht alles auf einmal erfassen kann. Den Kopf voller Farben und Formen und symbolhafter Bilder verlassen wir diesen fantastischen Ort der Kunst.
Besuch der Chapelle du Rosaire in Vence. Sie gilt als Hauptwerk von Matisse, dem großen Meister von Farbe und Linie. Die Ausstattung der Kapelle, die ausnahmslos von Matisse stammt, ist ein Werk von klarer, asketischer, zugleich aber auch spielerisch heiterer Schönheit. In starkem Gegensatz zum Frauenmünster ist die Chapelle du Rosaire in helles Licht getaucht. Die Fenster in blau, türkis und gelb gehaltenen Ornamenten, lassen viel Licht in den Innenraum, die hell gekachelten Wände spiegeln die Farbe wider. Die Elemente des großen Meisters der Moderne sind Linie, Licht und Farbe.
Fahrt nach Antibes zum lichtdurchfluteten Museum Picasso. Sehr stimmungsvolles Museum, in der Nähe des Hafens gelegen, mit herrlichem Blick auf das Meer. Die Bilder in sehr schönen Farben gehalten, viel blau, weiß, braun grau und schwarz. Ganz Abstraktion, schlicht in schwarzen Rahmen gefasst. Alle Bilder hier sind hier in diesem Haus entstanden, da Picasso zeitweise hier gewohnt hat.
Zum Schluss noch die Fahrt nach Haute-de Cagnes, in das Musée Renoir, dem Haus, in dem Renoir die letzten Jahre seines Lebens verbracht hat.
Leicht am Hang gelegen, mit Blick auf das Meer, bewachsen mit über tausend Jahre alten Olivenbäumen. Im Museum selbst zwar Bilder von Renoir, aber man sucht hier vergeblich nach all den großen weltbekannten Gemälden von Renoir. Dafür ist noch etwas von der Atmosphäre zu spüren, von der Familie, die hier gelebt hat. Die Räumlichkeiten, die Möbel, sein Rollstuhl, die Staffelei, die Pinsel und Leinwände sind noch vorhanden und vermitteln dem Beschauer einen authentischen Eindruck, wie Renoir hier gelebt und gearbeitet hat.
Weiterfahrt zum Aussichtspunkt von Nizza, das einst von den alten Griechen gegründet wurde, mit herrlichem Blick auf die Engelsbucht und auf das Esterel Gebirge.
Man bekommt hier oben eine leise Ahnung, von der Faszination, die dieser Farben- und Formen- Reichtum auf Künstler bis zum heutigen Tage ausübt. Alle die großen Maler, deren Werke wir heute so bewundern, alle haben sie hier gelebt und gearbeitet, an dieser schönen Meeresküste mit diesem ganz besonderen Licht.

Text: Gudrun Roßmann


Farbspektrum der im Bundestag vertretenen Parteien

Jeder Bürger, der sich auch nur ein bisschen für Politik interessiert, weiß, welche Farbe er der jeweiligen politischen Partei zuordnen muss. Schwieriger sind dann schon die Hintergründe der Farbgebung zu erkunden. Wenn am Wahlabend auf den Fernsehschirmen die ersten farbigen Balken in die Höhe schießen, sind wir in Sekundenschnelle informiert über die künftigen Machtverhältnisse im Parlament. Wahlergebnisse, Wahlanalysen und die Sitzverteilung in einem Parlament werden oft mit einem Säulendiagramm oder Kreisdiagramm dargestellt. Dabei wird für jede Partei eine Farbe verwendet. Sie ist eine Kennfarbe, die eine bestimmte politische Ausrichtung und damit eine politische Partei, Bewegung oder Ideologie bezeichnen soll.
Den Parteien in Deutschland werden die folgenden Farben zugeordnet. Gelb wird mit Liberalismus assoziiert, so zum Beispiel auch bei der Gelbwesten-bewegung. Erstmals eingesetzt 1972 im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg für die deutsche FDP.Grün steht für Parteien, die den Fokus auf Umweltschutz legen. Zurückzuführen ist dies auf die Assoziation von der Farbe mit Natur und Vegetation. Im Jahr 1993 schlossen sich die westdeutsche Partei „Die Grünen“ und die ostdeutsche Partei „Bündnis 90“ zur gesamtdeutschen Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ zusammen.
Die AfD (Alternative für Deutschland) verwendet seit ihrer Gründung im Jahr 2013 Blau als Parteifarbe. Sie hat auch nach innerparteilichen Machtkämpfen und politischen Neuausrichtungen die Farbe Blau beibehalten
Seit 1863 war Rot die Farbe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und später Traditionsfarbe der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Nach dem Ersten Weltkrieg benutzte die SPD die Farbe Rot nur noch intern, da der aufflammende Kommunismus, von dem sich die SPD distanzierte, mit dieser Farbe in Verbindung gebracht wurde.
In der vom Kommunismus geprägten DDR gehörten rote Banner zum Alltag. Aufgrund dessen wurde die Farbe Rot in der Bundesrepublik, auch wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit, nur noch dezent eingesetzt.
Derzeit gebraucht die SPD die Farbe Rot für ihre Außendarstellung.
Die Farbe Schwarz steht in Deutschland traditionell für die vom Katholizismus geprägten konservativen CDU/CSU.
Die Jugendorganisation der Partei, die Junge Union (JU), begann 2004, ein Markenzeichen aus der Farbe Schwarz aufzubauen, indem sie eine Kampagne mit dem Slogan „black is beautiful“ startete. Die Farbe Schwarz steht für Stärke und Kraft, jene beiden Eigenschaften, mit denen sich die Christdemokratische Partei Deutschlands identifizieren möchte.
Die Linke ist eine linke, demokratisch-sozialistische Partei in Deutschland. Um sich von der SPD zu unterscheiden, wird sie mit der Farbe Magenta dargestellt. Die Linke entstand am 16. Juni 2007 durch Verschmelzung] der SPD-Abspaltung WASG und der Linkspartei PDS. Letztere war im Juni 2005 durch Umbenennung aus der SED-Nachfolgepartei PDS hervorgegangen
Für die Stimme bei einer Wahl sollte aber nicht die zugeordnete Farbe einer Partei, sondern der Inhalt ihres Programms ausschlaggebend sein.

Text: Rolf Hohmeier
Quelle: Internet


Die Farbe Blau – oder Färberwaid macht blau

Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass im Mittelalter die Farbe der Kleidung je nach Stand vorgeschrieben war. So blieb das Rot nur dem Adel und Klerus vorbehalten, wie das Grau den Bauernstand und das Blau Dienstboten und die niederen Stände kennzeichnete. Das hing natürlich mit der aufwändigen Herstellung und Verwendung der Farbstoffe zusammen. Je weiter der Handelsweg zur Beschaffung seltener Farbpigmente war, desto kostbarer wurde das Gewand oder der Luxus-Gegenstand.

Himmel so blau

Hier in Europa wurden die naturfarbenen Textilien für den niederen Stand zunächst in eigener Heimarbeit erzeugt, seit dem 13. Jahrhundert dann schon im großen Umfang (am waagerechten Trittwebstuhl) aus Leinen, Hanf, Nessel und Schafwolle hergestellt. Auch eingefärbt mit aus Pflanzen gewonnenen Farbstoffen, zum Beispiel gelb aus Birke, rot aus Krapp und blau aus Färberwaid.
Färberwaid ist ein seit der Eisenzeit in Europa kultivierter zweijähriger gelber Kreuzblütler. Vorwiegend an Flüssen und außerhalb von Wohnsiedlungen übten die Färber ihr „anrüchiges“ Handwerk aus. Denn die zerquetschten oder zerstampften Pflanzen mussten zur Gärung zwei Wochen lang ruhen, dann mit Urin angefeuchtet, erneut und wiederholt der Gärung ausgesetzt werden. In großen Bottichen mit diesem aus vergorenen Pflanzen, Urin und Pottasche bestehenden Färbersud, Küpe genannt, wurde das Leinen getaucht. Die noch gelben Tücher wurden auf luftdurchlässigen Flächen (Siebe, Drahtgeflechte) ausgebreitet und in fensterlosen Dachböden langsam getrocknet. Erst durch Oxidation entstand schließlich die gewünschte blaue Farbe. – Ob aber aufgrund dieses zeitraubenden Vorgangs die Redewendungen „blau machen“ und „blauer Montag“ zurückgehen, ist nur eine Vermutung.
Ab 1602 brachten die Holländer mit ihrer Ostindischen Handelsgesellschaft das Indigo, einen tiefblauen bis blauvioletten Farbstoff, nach Europa. Indigo, ein aus der Indigofera-Pflanze (ein Schmetterlingsblütler) gewonnenes wasserlösliches Pulver, wurde 1737 als Färbemittel in der Textilindustrie zugelassen. Dann gelang 1878 in München dem Chemiker Adolf von Baeyer die künstliche Synthese von Indigo. Und zudem konnten ab 1897 in der von Friedrich Engelhorn gegründeten Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF) die Teerfarbstoffe – auch Anilinfarben genannt – auf Indigobasis für die Textilindustrie hergestellt werden; viel leichter und billiger – ohne pflanzlichen Rohstoff wie Färberwaid oder Krapp). Das war das Ende des Färber-Handwerks.

Waidmühle in Pferdingsleben

Heute weist die Farbpalette unzählige Blautöne auf von azurblau über delftblau, himmelblau, kobaltblau, saphirblau bis hin zu violett. Und natürlich das Ultramarin, das schönste und edelste Blaupigment wurde vordem aus dem Halbedelstein Lapislazuli hergestellt.  Im 14. Und 15. Jahrhundert wurde es auf dem Landweg aus Afghanistan über Vorderasien nach Venedig transportiert und insbesondere von italienischen Künstlern verwendet.  Es war sehr kostbar und wurde in der Malerei nur für die Darstellung der Heiligen-Gewänder, vor allem des blauen Madonnen-Mantels verwendet; unvermischt und wenn, dann nur mit Bleiweiß aufgehellt oder mit einer Lasurschicht überzogen.

 

Bild u. Text: Sabine Wenzel


Regenbogen über den Hügeln einer anmutigen Landschaft

Grau und trüb und immer trüber
Kommt das Wetter angezogen,
Blitz und Donner sind vorüber,
Euch erquickt ein Regenbogen.

Frohe Zeichen zu gewahren
Wird der Erdkreis nimmer müde;
Schon seit vielen tausend Jahren
Spricht der Himmelsbote: Friede.

Aus des Regens düstrer Trübe
Glänzt das Bild, das immer neue;
In den Tränen zarter Liebe
Spiegelt sich der Engel – Treue.

Wilde Stürme, Kriegeswogen
Rasten über Hain und Dach;
Ewig doch und allgemach
Stellt sich her der bunte Bogen.

Johann Wolfgang von Goethe


Spätherbst

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün,
Reseden und Astern im Verblühn,
Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht,
Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht –
Weg mit der Schwermut aus deinem Gemüt!
Banne die Sorge, genieße was frommt,
Eh Stille, Schnee und Winter kommt.

Theodor Fontane