ZwischenZeit-Artikel

(aktualisiert am 12. Oktober 2022)

Altern beginnt im Kopf

Die Wissenschaft beweist, geistiges und körperliches Training kann den Alterungsprozess deutlich verlangsamen.
Außer bei Schach, Lesen, Sudoku etc. findet geistiges Training vor allem auch beim Schreiben statt. Schreiben bringt das kreative Denken in Schwung! Und natürlich hat Schreiben einen ganz besonderen Reiz, wenn das Ergebnis sogar in der Zeitung veröffentlicht wird. Das ist der Fall beim Redaktionsteam „ZwischenZeit“ im BürgerTreff e.V., Engagierte Bürger, Kirchheim, Alleenstraße 96.
Man trifft sich dort achtmal im Jahr, beschließt ein Thema und dann schreibt jede/jeder, was ihr/ihm dazu einfällt. Auf jährlich acht Sonderseiten in „Der Teckbote“ werden die Beiträge honorarfrei veröffentlicht, d.h. je Autor/in einmal im Jahr.
Somit wird das Schreiben, das mentale Training in fröhlicher Autorenrunde zum total stressfreien Hobby. Schreibfreudige sind herzlich eingeladen. Übrigens – von den früher oder derzeit aktiven Schreiber/innen war niemand ehemals Profi in dieser Disziplin. Wir treffen uns wieder am 21.10. und am 18.11. jeweils um 14:30 Uhr im BürgerTreff, Alleenstraße 96. Wenn Sie Interesse haben, an einer Sitzung teilzunehmen, wenden Sie sich bitte an Frau S. Wenzel, Leiterin der Gruppe [Tel. (0 70 21) 4 73 87].  Also, schauen Sie zu den nächsten Sitzungsterminen doch einfach mal rein.

Gunter R. Schwäble


Editorial

Vegetarische Ernährung, Verzicht oder Gewinn?

Die Andacht

Kontrollverzicht

Verzichten – Pro und Kontra

Kurze Familiengeschichten

Wassermangel

Extra 1: Die Ameisen


Verzicht. Editorial


Vegetarische Ernährung, Verzicht oder Gewinn?

Kein Fleisch, keine Wurst mehr auf dem Teller oder nur beides (deutlich) weniger konsumieren? Wie früher in unserer Kindheit, als nur an Sonn- oder Festtagen ein Braten auf den Tisch kam? Des Klimaschutzes wegen oder eher auf Grund drastisch steigender Fleischpreise werden sich wohl manche Bürger davon überzeugen lassen, sich vegetarisch gesund und genussvoll zu ernähren. So kann am Ende aus dem anfänglichen Verzicht ein Gewinn werden.


Die Andacht

Schreinermeister Gröner ist mit seinem Azubi Heinz auf einem Neubau zugange. Ein Parkett aus Dielen mit Nut und Feder ist zu verlegen. Alles geht gut voran, bis der Leim auszugehen droht und Heinz Nachschub aus dem Auto holen muss. Als er zurückkommt, sieht er den Chef tief gebeugt vor dem Schattenkreuz eines Fensters auf dem Boden knien. In frommer Andacht? Was ist da passiert?


Kontrollverzicht

Zwei Angestellte einer Stuttgarter Bekleidungsfirma fuhren mit dem Auto im Oktober 1977 zu einer Modemesse nach Paris. Kurz vor Kehl geriet der Verkehr ins Stocken. Im Radio hörten sie, dass im Elsass gerade die Leiche Hanns Martin Schleyers aufgefunden worden war. Deshalb dieser Rückstau, sicher in Folge verschärfter Kontrollen beiderseits der deutsch-französischen Grenze. Da gestand der Fahrer seinem Kollegen, dass sein Pass abgelaufen war. Eine Umkehr war unmöglich. Was war tun?


Verzichten – Pro und Kontra

Schon Ende Juli, so früh wie nie zuvor, waren die ökologischen Ressourcen der Erde für das ganze Jahr 2022 aufgebraucht. Also: wann, wenn nicht jetzt, sollte jede/r etwas für den Umweltschutz und das zukünftige Leben nächster Generationen tun? Und dies auch wirklich in die Tat umsetzen. Dazu werden hier die Handlungsmöglichkeiten im Für und Wider aufgezeigt, nämlich: sparen, sich einschränken, den Gürtel enger schnallen, verzichten.


Kurze Familiengeschichten

In den Episoden: Geburtstage in Coronazeiten / Ein Wochenende im Allgäu / Besuch in der Wilhelma / Eine grüne Kugel im Garten.


Wassermangel

Vor über vierzig Jahren teilten sich drei Damen ein Pensionszimmer mit Dusche. Nach einem langen Wandertag im nordgriechischen Pindos-Gebirge lechzten alle nach dem kühlen Nass. Aber weil die erste zu lange duschte, hatten die beiden anderen das Nachsehen. Kein Tropfen Wasser kam mehr aus der Leitung! Am letzten Reisetag kam es für die ganze Gruppe aber noch schlimmer, als im überbelegten Hotel die Wasserversorgung gänzlich versagte…

Für die ZwischenZeit-Redaktion: Sabine Wenzel


Vegetarische Ernährung, Verzicht oder Gewinn?

Junges Gemüse

Viele Fragen, viele Antworten. Ein Streit, der zum Teil sehr erbittert geführt wird. Kein Fleisch und keine Wurst mehr auf dem Teller! Das beschäftigt heutzutage viele Menschen. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass wir alle weniger Fleisch verzehren sollten, als wir das heute weltweit tun. Ein Überangebot an Milchkühen, Schweinen, gemästeten Gänsen und Puten, Hühnern Legebatterien bringen uns jede Menge Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Früher gab es Fleisch nur am Sonntag oder an Feiertagen. Vielleicht sollten auch wir wieder zu etwas mehr Bescheidenheit bei Fleisch- und Wurst-Konsum zurückkehren.
Dann hätten wir alle etwas davon. Die Milchbauern und Schweinezüchter hätten ihr Auskommen. Dem Rest der Welt kann es nicht schaden, sich vorwiegend vegetarisch zu ernähren, trotzdem nicht vollkommen auf Wurst- und Fleischerzeugnisse zu verzichten.
Schon allein die aktuell sehr hohen Fleischpreise werden so manchen Bürger davon überzeugen, dass man sich auch vegetarisch gesund und genussvoll ernähren kann. Und so kann es am Ende dazu führen, dass aus dem anfänglichen Verzicht ein Gewinn entsteht.
Allerdings, wenn dann noch die vegane Variante ins Spiel kommt, wird es wirklich schwierig mit der Ernährung. Denn das bedeutet nicht nur den Verzicht auf Fleisch, Wurst und Fisch, sondern dann sind ja Milch von der Kuh, Käse aus Kuhmilch, Kräuterquark, auch Schlagsahne oder Sauerrahm nicht mehr erlaubt. Alles Dinge, die eine Mahlzeit natürlich auch verfeinern können. Das Frühstücksei am Sonntagmorgen ist gestrichen. Kein Kuchen, keine Torte. Verzicht auch auf Kakao und Milchkaffee. Selbst Honig und Gelatine sind tabu. Auch in sehr vielen kosmetischen Erzeugnissen stecken tierische Produkte. Ganz extreme Menschen vermeiden es gar Schuhe, Gürtel oder Handtaschen aus Leder zu tragen. Echte Pelzmäntel sind ja schon lange verpönt.
Nach der der aktuellen Preisentwicklung sind wir sicherlich alle angehalten, uns über unsere Ernährung noch mehr Gedanken zu machen, als bisher. Auf den Märkten ist zwar ein riesiges Angebot vorhanden an Fleisch, Gemüse und Milcherzeugnissen aller Art, aber genau deshalb sollten wir uns selbst beschränken in unserem Konsumverhalten. Unterstützen wir doch lieber die heimische Wirtschaft mit ihren Bauernhöfen und Bioläden, als die großen Lieferketten dieser Welt. Es geht darum, immer mehr Menschen für eine pflanzlich basierte Ernährung als Beitrag für die eigene Gesundheit und die der Erde zu leisten, zu motivieren. Angesichts weltweiter Hungersnöte muss man dringend überlegen, ob man Felder für Viehfutter bewirtschaftet oder ob man Weizen anbaut, um dem Hunger in der Welt entgegen zu wirken.
Jetzt im Sommer, da überall Grillfeste gefeiert werden, gehört auch ein saftiges Stück Schweinehals, ein zartes Rindersteak oder eine rote Wurst mit ins Angebot. Allerdings, Spezialisten haben schon längst entdeckt, dass auch gegrilltes Gemüse ganz hervorragend schmeckt! Dazu noch knuspriges Bauernbrot, ein kühles Bier oder Glas Wein. Und wenn dann noch eine große Schüssel leckerer Kartoffelsalat auf dem sommerlich geschmückten Gartentisch steht, sind sicherlich alle Gäste zufrieden und die Welt für eine kleine Auszeit noch in Ordnung.

Text und Collage: Gudrun Roßmann


Die Andacht

Verbal Dampf ablassen ist weniger romantisch.

Schreinermeister Gröner krempelte seinen Laden um mit dem Ziel, diesen in einem neuen, modernen Erscheinungsbild zu präsentieren. Nicht nur der Betrieb, die Fahrzeuge und der Bürokram benötigten ein flottes Logo, nein, Meister Gröner steckte auch das Personal in schmucke, kakifarbene Arbeitsklamotten. Auf den Hemd- und Jackenkrägen prangte das Firmenlogo und der Meister selbst signalisierte seinen Status, indem er exklusiv eine Krawatte – selbstverständlich mit Logo – trug.
Heute war er mit Azubi Heinz auf einem Neubau zugange, wo es galt, ein Parkett aus Dielen mit Nut und Feder zu verlegen. Heinz durfte die Dielen auf Länge sägen und die Feder mit Leim bestreichen. Sodann fügte der Boss jede Diele sorgfältig in die Nut des zuletzt verlegten Brettes. Die Arbeit ging flott voran und der Leim zur Neige. Heinz, geh zum Auto und hol einen neuen Leimtopf, ordnete Meister Gröner an und klopfte die neue Diele fest. Irgendwie hatte er heute die Krawatte wohl sehr lang gebunden. Auf jeden Fall war ihr Ende zwischen Nut und Feder geraten und wurde nun stramm eingequetscht.
Als Heinz zurückkam, bot sich ihm das Bild seines tief gebeugt knieenden Chefs vor dem Schatten des Fensterkreuzes, den die durchs Fenster scheinende Sonne auf den Boden warf. Nanu – so fromm war noch nie gearbeitet worden! Ergriffen stellte der Azubi den Leimkübel ab, sank vor dem Schattenkreuz und neben dem Meister ebenfalls auf die Knie und faltete die Hände.
Depp, unterbrach der Meister die andachtsvolle Stille, zieh die Dielen auseinander! Heinz erhob sich und zog wie befohlen. Dank Krawatte ließ sich die letzte Diele aber nicht lösen. Es löste sich die vorletzte. Depp, maulte der Chef wieder und ließ sich erschöpft auf die Unterarme sinken. Mit aller Kraft knallte Heinz beide Dielen wieder zusammen, wobei nun auch die Jackenärmel des Herrn Gröner zwischen Nut und Feder gerieten. Heftig zappelnd stöhnte Gröner hilflos auf um dann den Lehrling mit einem für Andachten nicht brauchbaren, liturgischen Wortschatz vertraut zu machen, kam jedoch nicht frei. Amen! – stichelte der Stift scheinheilig als Gröner Luft holte, in zwei Minuten ist Vesperpause. Soll ich den Schlips jetzt abschneiden oder soll ich Ihr Vesper in einen Napf umpacken?
Ich verzichte erstens auf das Vesper und zweitens auf die Erwähnung dieses Arbeitseinsatzes in deinem Berichtsheft, knurrte Herr Gröner, während Heinz einen neuen Befreiungsversuch startete.

Text und Bild: Gunter R. Schwäble


Kontrollverzicht

Ich kann nicht behaupten, dass es mir im Laufe meines Lebens an Verzichtsituationen gemangelt hätte und es immer noch tut, wenn man nur an die unselige Corona-Geschichte denkt. Abgesehen jedoch von Verzichten, die einem durch äußere Umstände aufgezwungen werden, hatte man immer wieder Gelegenheit, den edlen Verzichter zu spielen, um anderen etwas zugutekommen zu lassen, edel sozusagen… Dass es aber auch Fälle gibt, in denen man davon profitieren kann, dass andere offenbar ganz unabsichtlich auf bestimmte Maßnahmen verzichten, klingt zwar etwas hergeholt, ist mir aber persönlich durchaus vorgekommen. Dabei kam ich mir in jenem Moment gar nicht mal besonders clever vor.
Spreche ich in Rätseln? Also gut: Es war im sogenannten „deutschen Herbst“, also anno 1977, und zwar im Oktober. Als stellvertretender Leiter der Exportabteilung einer namhaften Stuttgarter Bekleidungsfirma war ich, zusammen mit einem Kollegen der Werbeabteilung, per PKW unterwegs nach Paris, anlässlich der Modemesse „Prêt-à-Porter“, an der unsere Firma als Aussteller teilnahm. Wir hatten einiges an Dekorationsmaterial im Wagen, mussten also zur zollmäßigen Abfertigung in den Straßburger Zollhof am Ende der Europa-Brücke. Wir waren frühzeitig losgefahren und befanden uns gegen 9 Uhr kurz vor der Ortseinfahrt Kehl, als es plötzlich nicht mehr weiterging, Stau! Solches war mir an dieser Stelle noch nie vorgekommen. Es sah auch nicht nach Unfall aus, eher nach einem Rückstau von der Grenze infolge schleppender Abfertigung. Wir schalteten das Bordradio ein und bekamen zu hören, dass in einem Waldstück im Elsass die Leiche des lang vermissten Arbeitgeber-Präsidenten Hans-Martin Schleyer gefunden worden war. Na, super, da war natürlich klar, dass an den Grenzübergängen verschärft kontrolliert wurde. Nun, unangenehme Verzögerung, aber wir hatten ja nichts zu verbergen. Oder? Warum wurde mein Kollege am Steuer immer stiller und immer blasser um die Nase? Langsam rückte er mit der Sprache heraus: Er war Deutscher, allerdings mit griechischer Nationalität; sein Vater war Grieche gewesen. Er sprach kein Wort griechisch, hatte aber nur einen griechischen Pass, und der war obendrein noch abgelaufen. Und sowas fährt ins Ausland! An sich wäre das ja kein Problem gewesen, denn, die Kontrollen waren äußerst lasch, nur durfte eben nichts Außergewöhnliches passieren.
Ja, wat nu? Mittlerweile waren wir im Stau ein Stückchen weiter gerückt. Von Umdrehen konnte keine Rede sein; wir mussten das Risiko einer Konfrontation mit den Sicherheitsorganen eingehen, mit allen Konsequenzen, wenn nicht… Ja, wenn mir nicht aus verschiedenen Situationen der Vergangenheit eingefallen wäre, dass es eine ganz einfache Lösung gäbe, auch wenn die zunächst unwahrscheinlich erscheinen musste. Eigentlich konnte uns gar nichts passieren, vorausgesetzt, die Gepflogenheiten im Zollhof hätten sich nicht geändert. So bat ich denn den Kollegen, sich in die Spur für LKW einzuordnen, denn das war die, die direkt in den Zollhof führte, und zwar unmittelbar nach der Brücke, aber noch vor dem Kabuff, in dem in trauter Gemeinsamkeit die deutschen und französischen Passkontrolleure ihre Pflicht taten. Wir würden mit denen also gar nicht ins Gehege kommen. Und so war es auch. Wir bogen ganz korrekt rechts ab, winkten den Grenzpolizisten innerlich freundlich zu und präsentierten uns bei der Einfahrtkontrolle in den Zollhof. Dort füllten wir einen Laufzettel aus mit einer Kurzbeschreibung der mitgeführten Ware, und stellten unser Fahrzeug auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz ab. Personenkontrolle wie üblich Fehlanzeige. Dann suchten wir, wie ich das schon mehrmals getan hatte, den Spediteur-Deklaranten im Zollgebäude auf, übergaben ihm die Warenpapiere und entfernten uns, ebenfalls unkontrolliert, durch eine Tür im Zaun in eins der umliegenden Cafés zu Kaffee und Croissant, um nach ca. einer Stunde wieder beim Spediteur aufzukreuzen, die ordnungsgemäß ausgefüllten Papiere abzuholen, ins Auto zu steigen und den Zollhof auf der französischen Seite genauso wenig kontrolliert wie bei der Ankunft wieder zu verlassen und die Reise nach Paris völlig unbehelligt fortzusetzen.
Und die Moral von der Geschicht‘? Uns hat der Kontrollverzicht im Zollhof gutgetan, wir haben davon profitiert und eigentlich niemandem damit geschadet. Daher hielten sich irgendwelche Gewissensbisse unsererseits auch sehr in Grenzen. Andererseits, kann mir jemand glaubhaft versichern, dass Elemente, die den Mord an Herrn Schleyer zu verantworten haben, nicht mindestens genauso schlau wären, wenn es darauf ankommt? Wiederum andererseits: Andere Situationen an eben derselben Lokalität haben mir gezeigt, dass die zuständigen Behörden durchaus in der Lage waren, Publikum samt Warenverkehr in einer Weise zu kontrollieren, die den DDR-Behörden unseligen Angedenkens durchaus zur Ehre gereicht hätten. Aber das gäbe ein anderes Kapitel…

Text: Gottfried Sauer


Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,

Die wollten nach Australien reisen.

Bei Altona auf der Chaussee,

da taten ihnen die Beine weh,

und da verzichteten sie weise,

auf den letzten Teil der Reise.

<Joachim Ringelnatz>