Früher hatten viele Familien ihren eigenen Most im Keller. Bier wurde hauptsächlich im Wirtshaus getrunken und Wein gab es nur zu besonderen Anlässen. Der Most wurde in den 60er-Jahren noch fast ausschließlich in Holzfässern gelagert. Voraussetzung war ein geeigneter Keller mit Naturboden.
In den 60er-Jahren machten auch wir jedes Jahr unseren eigenen Most. Dazu wurden die Äpfel und Birnen im Handleiterwagen zur Mosterei gekarrt. Für mich war der „Mosttag“ ein Großereignis. Es war herrlich zuzusehen, wie die Presse befüllt wurde und der Saft dann seitlich herausquoll. Und wie köstlich das erste Glas frisch gepresster Saft schmeckte! Ein Teil des Saftes wurde nicht vergoren, sondern von der Mutter für uns Kinder abgekocht und in Flaschen gefüllt.
Noch interessanter war das „Mosten“ bei den Großeltern. Dort wurden das Obst mit Muskelkraft in einer Obstmühle zerkleinert und in einer Hand-Spindelpresse ausgepresst.
Vor dem Befüllen mussten die Fässer mit Wasser und Bürste gründlich gereinigt werden. Dann wurde das „Türle“ mit „Ooschlich“ (Unschlitt) als Dichtmittel eingesetzt. Zum Schluss wurden die Fässer noch  „ausgeschwefelt“, in dem man eine brennende Schwefelschnitte in das obere Spuntloch hängte.
Ich erinnere mich, dass ich als kleiner Junge einige Male Opa’s großes Holzfass reinigen musste. Dabei musste ich mich durch die Öffnung zwängen und die Innenseite des Fasses mit der Bürste abschrubben. Das war eine weniger angenehme Aufgabe.

Günter Geiger